
Interview mit Markus Theinert am Abend des 25.7.2009, nachdem das hervorragende Ergebnis des Wertungsspiels bekannt gegeben worden war.
Herr Theinert, ich gratuliere Ihnen und der Mannheimer Bläserphilharmonie zu dieser hervorragenden Leistung. Wie fühlen Sie sich nach diesem ereignisreichen Tag?
Markus Theinert: Ich bin sehr glücklich und auch ein bisschen erleichtert, dass das Orchester so gut mitgemacht hat. Die Probe gestern Abend in der Jugendherberge in Monschau war ja doch sehr schwierig. Der Raum war extrem klein für ein so großes Orchester, wir hatten nicht einmal Platz, das ganze Schlagwerk aufzubauen.
Konnten Sie denn in der Nacht vor dem Wertungsspiel überhaupt schlafen?
Ich habe sogar sehr gut geschlafen. Allerdings nur sehr kurz: drei Stunden.
Was bedeutet die Wettbewerbsteilnahme für das Orchester - aus musikalischer Sicht, aber auch für den Zusammenhalt innerhalb des Orchesters?
Die sehr intensive Vorbereitung schweißt die Truppe zusammen. Das Ziel, an einem so großen Wettbewerb teilzunehmen, motiviert dabei auch für längere Probephasen. Ein weiterer großartiger sozialer Effekt ist: Man trifft hier Orchester aus aller Welt.
"Atmospheres" von John Golland war als Pflichtstück vorgegeben. Das Orchester spielte als Wahlstück "Dona Nobis Pacem" von Martin Ellerby. Nach welchen Kriterien haben Sie dieses Stück ausgewählt?
Ich bin jetzt seit über zwei Jahren Dirigent der Mannheimer Bläserphilharmonie, kenne das Orchester also inzwischen recht gut. Ich habe ein Stück gesucht, das sowohl instrumentell als auch charakterlich diesem Orchester speziell liegt. Denn ein Orchester muss sich mit seinen Stücken identifizieren können, das ist ganz wichtig.
Auf das Stück von Ellerby bin ich zufällig gestoßen. Das Stück bringt die lyrischen und klanglichen Fähigkeiten der Mannheimer Bläserphilharmonie hervorragend zur Geltung. Außerdem liegt es mit 17 Minuten im Rahmen der vorgeschriebenen Zeit.
Wir mussten für den World Music Contest in Kerkrade zwei Wahlstücke vorschlagen. Unser zweiter Vorschlag war „Year of the Dragon“ von Philip Sparke, das wir beim Rosengartenkonzert 2008 gespielt haben.
Haben Sie schon mit anderen Orchestern am WMC teilgenommen? Wie gefällt Ihnen der Wettbewerb?
Nein, das war meine erste Teilnahme. Es hat mir sehr gut gefallen! Die Organisation hier ist vorbildlich, wir sind sehr freundlich und hilfsbereit aufgenommen worden. Die Halle, in der wir gespielt haben, hat mich positiv überrascht.
Und die Eifel, wo unsere Jugendherberge liegt, ist natürlich immer einen Besuch wert!
Mal ehrlich: Haben Sie von Anfang an daran geglaubt, dass die Mannheimer Bläserphilharmonie so gut abschneidet im Wettbewerb?
Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Ich weiß aber natürlich, was das Orchester kann, wozu die Leute in der Lage sind. Wettbewerbe sind aber immer eine Ausnahmesituation, es sind immer auch Glück und Zufall im Spiel. Zum oberen Drittel des Teilnehmerfelds habe ich uns aber auf jeden Fall immer gezählt.
Wovor hatten Sie am meisten Angst?
Ich hatte überhaupt keine Angst, die Bühne war ja solide gebaut! (lacht)
„Bedenken“ trifft es vielleicht eher. Hätten wir eine schlechte Bewertung erhalten, dann hätte das Orchester diese Beurteilung in den falschen Hals bekommen können. Das wäre schade gewesen und hätte mir sehr leid getan für die Musikerinnen und Musiker.
Welche Pläne gibt es für weitere Wettbewerbe?
Wir werden uns außerhalb des großen Jahreskonzerts im Mannheimer Rosengarten in Zukunft weitere Aufgaben stellen. 2010 werden wir am Wettbewerb „Flicorno d’oro“, auf Deutsch „das goldene Flügelhorn“ teilnehmen. Dieser internationale Blasorchesterwettbewerb findet in Riva am Gardasee statt, bisher alle zwei Jahre, in Zukunft aber wohl jährlich.
Herr Theinert, ich bedanke mich für das Gespräch und wünsche Ihnen viel Spaß beim Feiern!
(Mit Herrn Theinert sprach Maike Backhaus, die Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit des Mannheimer Bläserphilharmonie eV)